seit 1905

Heinz Soell

(1918-2004)

Mit Heinz Soell, Jahrgang 1918, besitzt das Bergsträsser Kunstschaffen einen Maler und Grafiker, der in vielfacher Hinsicht nicht in irgendein geläufiges Schema einzuordnen ist. Der wichtigste und umfangreichste Teil seines künstlerischen Lebenswerkes ist erst jenseits des 60. Lebensjahres entstanden, nachdem er von seiner psychotherapeutischen Arbeit am Gesundheitsvorsorgeheim der Bundesknappschaft auf Schloss Schöneberg bei Bensheim Abschied genommen hatte.

Soell nahm nach seinem Abitur Studien an der Royal Art Academy in London, an der Academie des Beaux Arts in Paris und an der Düsseldorfer Kunstakademie auf.

Vor allem in Paris, wo sein Studium vom Bauhaus-Konzept beeinflusst war und wo er mit einem Kunsterzieher-Examen abschloss, empfing er jene Impulse abstrakter Kunst, die seine Arbeit bis heute bestimmen.
Mögen bei Kandinsky, Klee und anderen die geistigen Wurzeln liegen- seine Welt der geometrischen Figuren und freischwingenden Ornamente ist eigenständig, originell und unverwechselbar in Stil, Temperament und Botschaft. Sie erwächst aus einer positiven Lebensanschauung, welche die dunklen Seiten der Wirklichkeit keineswegs verdrängt, jedoch nicht zum bildnerischen Thema macht. Sein Anspruch ist kein weltverändernder - er beschränkt sich auf die Geste des Zeigens: Seht her, auch in diesen aufgeklärten, von mancherlei Bedrohungen verdunkelten Zeiten vermag das Schöne, Frohgestimmte, Poetische noch Erbauung, ja Trost zu spenden. Soell malt Bilder nicht für Museen und Experten, sondern für Menschen, die mit ihnen leben wollen. Er hält nichts davon, dass sich die Kunst immer weiter von den Kunstbetrachtern und dem menschlichen Maß entfernt. Und er glaubt nicht, dass schöne Kunst belanglos und inhaltsleer sein muss.

Heiteres Kolorit und pulsierende Bewegung kennzeichnen viele seiner Arbeiten. Die Vitalität der Formen und Farben vermittelt Anmutungen, die Parallelen in der Musik suchen. Und tatsächlich hat Soell eine Vielzahl von Werken geschaffen, die konzertante Hörerlebnisse in adäquate Farben, Formen und Strukturen umsetzen. Die Klanggemälde der Komponisten von Bach bis Schönberg, von Mozart bis Britten haben ihm zu Bildern inspiriert, die spüren lassen, dass die Farben klingen und die Töne leuchten können - und umgekehrt.

Musikalität ist einer der Eckpfeiler dieser Kunst, ein anderer Poesie. Soells Bilder kann man auch als Gedichte lesen. Die Bilddichtungen sind freilich nicht nur Ergebnis ungehemmt sich entäußernder Gefühlsbewegungen, sondern ordnen sich jenen konstruktiven Kräften unter, die alles Übermaß an Impulsivität im Zaum halten. Evidente Ordnung in der Komposition ist für ihn unverzichtbar. Soell hat sich seine ihm gemäße Synthese erarbeitet, in welcher sich geometrisch klar definierte Zeichnung mit malerischer Transposition auf einer hell und kräftig gestimmten Farbskala verbindet. Trotz des von Ornament und vor der Geometrie gekennzeichneten Bildaufbaus vermitteln seine Bilder stets einen Hauch von Geheimnis und Mystik. Besonders deutlich wird diese Wirkung in einer Reihe von Arbeiten, die sich mit dem Thema "Engel" und anderen Bereichen aus Religion und Mythos auseinander setzten. Hier werden dann auch firgurative Elemente mit einbezogen.

So gelangt der Künstler, was immer er thematisiert, eigentlich immer zur Meditation, die auf eine besondere Weise stets das Religiöse meint. Was der französische abstrakte Alfred Manessier formuliert hat, könnte auch das Motto von Heinz Soell sein: "Die Welt von heute scheint uns nicht mehr nötig zu haben... aber unermüdlich müssen wir ihr zu Bewusstsein bringen, dass eine ewige Harmonie und der Glaube an das Bessere existieren, wir müssen es ihr beweisen."

Mit Bildern, wie sie Heinz Soell malt, lassen sich die Verstörungen des Alltags wohl nicht ersetzen, aber gewiss ein wenig ausbessern. Vielleicht stimmt es ja, dass der Mensch heute das Bild umso mehr braucht, je entfernter er von einer schöpfungsnahen Bewegung und Entwicklung lebt. In Soells Bildern lässt sich eine auratische Botschaft lesen, die Ahnungen von fernen, goldenen Zeitaltern weckt. Je aufgeklärter sich der Zeitgeist gebärdet, desto wichtiger ist die Besinnung auf solche Fernen."

Text: Horst Roland

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